Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram sieht man sie ständig: junge Menschen vor Sportwagen, die erzählen, wie sie mit ein paar Stunden Onlinearbeit angeblich 20.000 € im Monat verdienen. Häufig fällt dabei das Stichwort Dropshipping oder andere vermeintlich einfache Online-Geschäftsmodelle. Doch wie realistisch sind solche Versprechen eigentlich?
In einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel spricht der Vermögensforscher Stephan Druyen über Reichtum, Online-Geschäftsmodelle und darüber, wie Vermögen tatsächlich entsteht. Das Gespräch zeigt ziemlich klar: Nebenjobs und kleine Online-Projekte können zwar gutes Zusatzgeld bringen – aber sie sind selten der Weg zum großen Reichtum.
Dropshipping und schnelle Online-Einnahmen: eher Mythos als Geldelite
Im Interview wird Druyen direkt auf die sogenannte „Generation Dropshipping“ angesprochen – also junge Menschen, die angeblich mit minimalem Aufwand hohe Summen verdienen.
Dropshipping funktioniert im Kern so:
Ein Händler verkauft Produkte online, besitzt aber kein eigenes Lager. Die Bestellung wird einfach an einen Lieferanten weitergeleitet, der die Ware direkt an den Kunden verschickt.
Das Modell wirkt auf den ersten Blick attraktiv, weil:
- kaum Startkapital benötigt wird
- kein Lager oder Versand organisiert werden muss
- der Einstieg technisch relativ einfach ist
Druyen sieht darin allerdings kein nachhaltiges Geschäftsmodell für echten Reichtum. Die Einstiegshürden sind niedrig – und genau deshalb entsteht auch schnell viel Konkurrenz.
Für viele Menschen bleibt Dropshipping daher eher ein Experiment oder Nebenprojekt, nicht die Grundlage für langfristigen Wohlstand.
Was „reich“ eigentlich bedeutet
Interessant ist auch, wie unterschiedlich Reichtum überhaupt definiert wird.
Laut Definition der Bundesregierung gilt in Deutschland bereits jemand als einkommensreich, wenn er etwa das Dreifache des Median-Nettoeinkommens verdient – aktuell rund 6.000 € netto pro Monat.
In der Vermögensforschung sieht das jedoch ganz anders aus:
- Millionäre: Vermögen ab etwa 1 Million US-Dollar
- Ultra-High-Net-Worth Individuals: investierbares Vermögen ab 30 Millionen US-Dollar
- Superreiche: ab etwa 300 Millionen US-Dollar
Diese Größenordnungen zeigen: Zwischen gut verdienen und wirklich reich sein liegt eine enorme Distanz.
Warum Angestelltenjobs selten reich machen
Eine zentrale Aussage aus dem Interview lautet:
„Als Angestellter reich zu werden, ist kaum möglich.“
Der Grund liegt laut Druyen in der Struktur klassischer Einkommen:
- Einkommen ist an Arbeitszeit gekoppelt
- Gehälter haben natürliche Obergrenzen
- Steuern reduzieren den Vermögensaufbau zusätzlich
Der entscheidende Unterschied zu sehr vermögenden Menschen liegt meist darin, dass sie Eigentum an skalierbaren Vermögenswerten besitzen, zum Beispiel:
- Unternehmen
- Beteiligungen
- Immobilien
- Plattformen
- Patente
Diese können Geld erwirtschaften, ohne dass ständig zusätzliche Arbeitszeit investiert werden muss.
Nebenjobs bleiben trotzdem sinnvoll
Auch wenn Nebenjobs selten zum Multimillionär führen, erfüllen sie für viele Menschen eine wichtige Funktion.
Typische Gründe für Nebenjobs sind:
- zusätzliches Einkommen neben dem Hauptjob
- finanzielle Sicherheit aufbauen
- neue Fähigkeiten testen
- Einstieg in Selbstständigkeit oder Online-Business
- flexible Einnahmequelle neben Studium oder Familie
Gerade digitale Nebenjobs sind in den letzten Jahren stark gewachsen – etwa Tätigkeiten in Bereichen wie:
- Content-Bewertung für KI-Systeme
- Online-Recherche und Datenprojekte
- Produkttests und Nutzerstudien
- Micro-Tasks auf digitalen Plattformen
Diese Tätigkeiten bringen selten fünfstellige Monatsgewinne, können aber ein realistisches Zusatzeinkommen ermöglichen.
Der Unterschied zwischen Nebenjob und Vermögensaufbau
Der entscheidende Punkt aus dem Interview ist deshalb:
Nebenjobs sind in erster Linie ein Einkommensmodell, kein Vermögensmodell.
Reichtum entsteht laut Druyen meist dort, wo Menschen:
- Engpässe oder neue Märkte erkennen
- Infrastruktur oder Plattformen aufbauen
- Standards setzen, an denen andere nicht vorbeikommen
- Kapital einsetzen und skalieren
- langfristig wachsen lassen
Genau deshalb entstehen große Vermögen häufig in Bereichen wie:
- digitale Plattformen
- Cloud-Infrastruktur
- künstliche Intelligenz
- Technologie-Ökosysteme
Fazit: Nebenjobs können viel – aber nicht alles
Das Interview macht deutlich:
Viele der großen Versprechen rund um „schnell reich werden im Internet“ sind stark übertrieben.
Nebenjobs und Online-Projekte können jedoch trotzdem sehr sinnvoll sein:
- als Zusatzverdienst
- als Einstieg in Online-Geschäftsmodelle
- oder als Möglichkeit, neue Fähigkeiten aufzubauen
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, muss laut Vermögensforschung jedoch meist über den klassischen Nebenjob hinausgehen – etwa durch Unternehmertum, Beteiligungen oder skalierbare Geschäftsmodelle.
Quelle:
Der Beitrag basiert auf Aussagen aus einem Interview mit Vermögensforscher Stephan Druyen im Magazin DER SPIEGEL, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen heute in Deutschland reich werden. Das vollständige Interview kann hier nachgelesen werden:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/finanzen-wie-werden-sie-in-deutschland-heute-reich-a-8cd12bfd-67e2-428e-917f-91cfdf51def7

